Konzert zum Totensonntag

 

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Programm

Pressestimmen

Der Bund
Berner Zeitung
Beilage der Kirchengemeinde Altstetten zum "reformiert"

Leitung

Hans Gafner

Mitwirkende

Gabriela Bürgi, Sopran
Liliane Zürcher, Alt
Michael Fellmann, Tenor
Michel Brodard, Bass

Laudate Chor Zürich
Gabrielichor Bern

Die Freitagsakademie

Aufführungen

  • Samstag, 21. November 2009, 20.00 Uhr, Französische Kirche Bern
  • Sonntag, 22. November 2009, 17.00 Uhr, Reformierte Kirche Zürich - Altstetten

Mozarts Requiem

Es gehört zu den tragischen Seiten in Mozarts Leben, dass ihm nicht vergönnt war, seine beiden grössten kirchenmusikalischen Werke zu vollenden, die c-Moll-Messe und das Requiem. Bei der Arbeit am Requiem ist er gestorben.
Es gibt bis heute eine ganze Reihe von Versuche, das Requiem-Fragment zu vollenden, einerseits, weil vieles von Mozart authentisch vorliegt und andererseits, weil das Vorhandene von so grosser Genialität zeugt, dass man das Werk nicht einfach weglegen möchte. Als erster hat sein Schüler Franz Xaver Süssmayr Hand angelegt und das Werk fertiggestellt. Man glaubt, dass er in der letzten Lebenszeit Mozarts eng mit ihm zusammengearbeitet hat und so für diese Arbeit prädestiniert gewesen sei. Mozarts Witwe hat die Arbeit Süssmayrs aber nach aussen hin verleugnet. Nachdem später die Musikwissenschaft die wirklichen Verhältnisse aufgedeckt hatte, gingen mehrere Komponisten ans Werk, eine endgültige Fassung zu schreiben, weil erkannt worden war, dass der Arbeit Süssmayrs die entsprechende Meisterschaft fehlte.
Die letzte dieser Arbeiten machte 1991 der Mozartkenner und Harvardprofessor Robert Levin anlässlich Mozarts 200. Todestag. Levin ist nicht nur ein bekannter Musikwissenschaftler, sondern auch ein begnadeter Musiker. Seine Fassung überzeugt durch die ernsthafte, fundierte Erforschung des gesamten Mozartwerkes und es gelang ihm dabei mit Einfühlungsvermögen, sich in die Lage zu versetzen, wie Mozart das Werk wohl beendet hätte.

Der Gabrielichor Bern und der Laudate Chor Zürich wollen nun zusammen mit vier Solisten und der "Freitags-Akademie" diese Fassung von Robert Levin mit historischen Instrumenten dem Publikum vorstellen, ein Unterfangen, das leider seit 1991 mindestens in Bern kaum realisiert worden ist.

Text

INTROITUS
1. Requiem aeternam
Requiem aeternam Ewige Ruhe
dona eis Domine: gib ihnen, Herr,
et lux perpetua luceat eis. und ewiges Licht leuchte ihnen.
Te decet hymnus, Deus, Dir gebührt Lobgesang, Gott,
in Sion, in Zion,
et tibi reddetur votum und es soll dir Anbetung werden
in Jerusalem. in Jerusalem.
Exaudi orationem meam, Erhöre mein Gebet,
ad te omnis caro veniet. zu dir kommt alles Fleisch.

2. Kyrie
Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.
Christe eleison. Christus, erbarme dich.
Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.

SEQUENZ
3. Dies irae
Dies irae, dies illa Tag des Zornes, jener Tag
solvet saeclum in favilla: wird die Welt in Asche kehren,
teste David cum Sibylla. wie David und Sibylla es bezeugen.
Quantus tremor est futurus, Welch ein Zittern wird es geben,
quando judex est venturus, wenn der Richter erscheinen wird,
cuncta stricte discussurus! alles streng zu prüfen!

4. Tuba mirum
Tuba mirum spargens sonum Die Posaune wird wunderlich
per sepulcra regionum, erschallen über der Gräber Reich,
coget omnes ante thronum. sie wird alle vor den Richter zwingen.
Mors stupebit et natura, Der Tod wird erstarren, und die Natur,
cum resurget creatura, wenn die Kreatur auferstehen wird,
judicanti responsura. wird sich vor dem Richter verantworten.
Liber scriptus Ein beschriebenes Buch wird man
proferetur, hervorholen,
in quo totum continetur, in welchem alles steht;
unde mundus judicetur. aus ihm wird die Welt gerichtet werden.
Judex ergo cum sedebit, Wird der Richter zu Gericht sitzen,
quidquid latet apparebit: kommt das Verborgene ans Licht,
nil inultum remanebit. nichts wird unvergolten bleiben.
Quid sum miser tunc dicturus? Was werd ich Elender dann sagen?
Quem patronum rogaturus, Welchen Anwalt werde ich erbitten,
cum vix justus sit securus? wenn kaum der Gerechte sicher sein
kann?

5. Rex tremendae
Rex tremendae majestatis, König von schrecklicher Majestät, der
qui salvandos salvas gratis. du aus Gnade die zur Rettung Bestimmten errettest.
Salva me, fons pietatis. Rette mich, Urquell der Milde.

6. Recordare
Recordare, Jesu pie, Gedenke, Jesu, in Milde, dass ich der
quod sum causa tuae viae: Grund bin deines Kommens auf Erden,
ne me perdas damit du mich nicht verderben lässt
illa die. an diesem Tag.
Quaerens me, sedisti lassus: Mich suchend, hast du dich erschöpft,
redemisti crucem passus: mich zu erlösen, hast du das Kreuz
tantus labor erlitten, solch grosse Mühe
non sit cassus. sei nicht vergeblich.
Juste judex ultionis, Gerechter Richter der Vergeltung,
donum fac remissionis schenke Vergebung
ante diem rationis. vor dem Tag der Abrechnung.
Ingemisco tamquam reus: Ich seufze wie ein Schuldiger. Schuld
culpa rubet vultus meus: lässt mein Gesicht schamrot werden.
supplicanti parce, Dem sich Beugenden gewähre
Deus. Schonung, Gott.
Qui Mariam absolvisti, Der du Maria vergeben hast,
et latronem exaudisti, und den Schächer erhörtest,
mihi quoque spem dedisti. hast auch mir Hoffnung geschenkt.
Preces meae non sunt dignae: Meine Bitten sind es nicht wert,
sed tu bonus fac benigne, aber du Guter, lass Güte walten,
ne perenni cremer igne. damit ich nicht ewig im Feuer brenne.
Inter oves locum Weise mir unter den Schafen einen praesta, et ab Platz zu und lass mich von den
haedis me sequestra, Böcken getrennt sein, stelle
statuens in parte dextra. mich auf die Seite zu deiner Rechten.

7. Confutatis
Confutatis maledictis, Wenn die Verdammten vergehen,
flammis acribus den verzehrenden Flammen addictis, ausgesetzt werden,
voca me cum benedictis. dann rufe mich zu den Gesegneten.
Oro supplex et acclinis, Ich bitte unterwürfig und demütig,
cor contritum quasi cinis: mit einem zerknirschten Herzen,
gere curam mei finis. nimm dich hilfreich meines Endes an.

8. Lacrimosa
Lacrimosa dies illa, Tränenreich ist jener Tag, an welchem
qua resurget ex favilla auferstehen wird aus der Asche
judicandus homo reus. zum Gericht der Mensch als Schuldiger.
Huic ergo parce, Deus: Gewähre ihm doch Schonung, o Gott,
pie Jesu Domine. milder Herr Jesus.
Dona eis requiem. Schenke ihnen Ruhe.
Amen. Amen.

OFFERTORIUM
9. Domine Jesu
Domine Jesu Christe, Herr Jesus Christus,
Rex gloriae, König der Herrlichkeit,
libera animas omnium befreie die Seelen aller Gläubigen,
fidelium defunctorum die verstorben sind,
de poenis inferni von den Strafen der Hölle
et de profundo lacu: und von den Tiefen der Unterwelt.
libera eas de ore leonis, Befreie sie aus dem Rachen des Löwen,
ne absorbeat eas tartarus, dass sie nicht verschlinge die Unterwelt
ne cadant in obscurum: und sie nicht fallen ins Dunkle,
sed signifer sanctus Michael sondern der heilige Bannerträger
repraesentet eas in lucem Michael sie in das heilige Licht
sanctam, geleite,
quam olim Abrahae welches du einst Abraham und seinem
promisisti et semini ejus. Samen versprochen hast.

10. Hostias
Hostias et preces tibi, Opfergaben und Gebete bringen wir dir,
Domine, laudis offerimus: Herr, zum Lobe dar.
tu suscipe pro animabus illis, Nimm du sie auf für die Seelen jener, quarum hodie memoriam deren wir heute
facimus: gedenken.
fac eas, Domine, de morte Gib, dass sie, Herr, vom Tode
transire ad vitam, zum Leben hinübergehen,
quam olim Abrahae welches du einst Abraham und seinem
promisisti et semini ejus. Samen versprochen hast.

SANCTUS
11. Sanctus
Sanctus, sanctus, sanctus Heilig, heilig, heilig
Dominus Deus Sabaoth. ist der Herr, der Gott Zebaoth.
Pleni sunt coeli et Erfüllt sind Himmel und Erde
terra gloria tua. von deinem Ruhm.
Hosanna in excelsis. Hosanna in der Höhe.

12. Benedictus
Benedictus qui venit Gepriesen sei, der da kommt
in nomine Domini. im Namen des Herrn.
Hosanna in excelsis. Hosanna in der Höhe.

AGNUS DEI
13. Agnus Dei
Agnus Dei, qui tollis peccata Lamm Gottes, das du trägst die Sünden
mundi: dona eis requiem. der Welt, gib ihnen Ruhe.
Agnus Dei, qui tollis peccata Lamm Gottes, das du trägst die Sünden
mundi: dona eis requiem. der Welt, gib ihnen Ruhe.
Agnus Dei, qui tollis peccata Lamm Gottes, das du trägst die Sünden
mundi: dona eis requiem der Welt, gib ihnen ewige Ruhe.
sempiternam.

COMMUNIO
14. Lux aeterna
Lux aeterna luceat eis, Das ewige Licht leuchte ihnen,
Domine, Herr,
cum sanctis tuis in mit deinen Heiligen in Ewigkeit,
aeternum, quia pius es. denn du bist gütig.
Dona eis, Domine, requiem Gib ihnen, Herr, ewige Ruhe
aeternam et lux perpetua und ewiges Licht
luceat eis. leuchte ihnen.

Bachs Kantate

In einer Vielzahl von Bachs Kantaten ist der Tod das zentrale Thema. So auch in der Kantate "Wer weiss, wie nahe mir mein Ende". Sie wurde für den Gottesdienst am 6. Oktober 1726 komponiert. Ausgangspunkt war die Evangelienlesung über die Auferweckung des Jünglings von Nain (Lukas 7, 11-17). Zuerst wird mit Sorgen und Bangen an den eigenen Tod gedacht (Satz 1 und 2), dann schlägt die Stimmung um, der Tod wird willkommen geheissen (Satz 3) und herbeigewünscht (Satz 4). Die beiden Schlusssätze besiegeln den Abschied von dieser Welt.

Man ist versucht zu fragen, ob nicht die Erinnerung an den Todesfall, der unlängst seine Familie getroffen hatte, dieses Werk geprägt hat, "eine der ergreifendsten Kantaten Bachs" (Smend). Am 29. Juni 1726 starb die dreijährige Tochter Christiana Sophia Henrietta. Der Tod war in Bachs Familie allgegenwärtig, starben doch neben seiner ersten Frau Maria Barbara elf der insgesamt zwanzig Kinder.

Im ersten Satz der Kantate erscheint der Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" als schlichter Chorsatz über einem Orchesterbass in fortlaufender Viertelbewegung, den Puls der Zeit symbolisierend. Die Bassarie (Satz 5) weist eine enge Verwandtschaft auf zu Petrus' Verleugnungsarie "Ach, mein Sinn, wo willt du endlich hin" aus der Johannespassion. Hier in der Kantate ist sie auf den Text "Gute Nacht, du Weltgetümmel" komponiert, wobei das "Weltgetümmel" lautmalerisch dargestellt wird durch erregt gespielte Sechzehntelfiguren.

Eine Besonderheit ist der Schlusschoral. Ganz ungewöhnlich dabei ist, dass Bach als Abschluss der Kantate nicht einen eigenen Choral schreibt: Er übernimmt die fünfstimmige Komposition "Welt ade! Ich bin dein müde" von Johann Rosenmüller, einem Vorgänger an der Thomasschule (1640-1655).

Text

1. EINGANGSCHOR
Wer weiss, wie nahe mir mein Ende?
Das weiss der liebe Gott allein, ob meine Wallfahrt auf
der Erden kurz oder länger möge sein.
Hingeht die Zeit, herkömmt der Tod,
und endlich kömmt es doch so weit, dass sie zusammen
treffen werden.
Ach, wie geschwinde und behende kann kommen meine Todesnot!
Wer weiss, ob heute nicht mein Mund die letzten Worte
spricht? Drum bet ich allezeit:
Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut!

2. REZITATIV
Mein Leben hat kein ander Ziel, als dass ich möge selig sterben und
meines Glaubens Anteil erben. Drum leb ich allezeit zum Grabe fertig
und bereit, und was das Werk der Hände tut, ist gleichsam ob ich
sicher wüsste, dass ich noch heute sterben müsste; denn Ende gut,
macht alles gut.

3. ARIA
"Willkommen" will ich sagen, wenn der Tod ans Bette tritt.
Fröhlich will ich folgen, wenn er ruft, in die Gruft.
Alle meine Plagen nehm ich mit.

4. REZITATIV
Ach, wer doch schon im Himmel wär! Ich habe Lust zu scheiden und mit
dem Lamm, das aller Frommen Bräutigam, mich in der Seligkeit zu
weiden. Flügel her! Ach, wer doch schon im Himmel wär!

5. ARIA
Gute Nacht, du Weltgetümmel!
Jetzt mach ich mit dir Beschluss; ich steh schon mit einem Fuss bei
dem lieben Gott im Himmel.

6. CHORAL
Welt ade! Ich bin dein müde, ich will nach dem Himmel zu,
da wird sein der rechte Friede und die ew'ge, stolze Ruh.
Welt, bei dir ist Krieg und Streit, nichts, denn lauter Eitelkeit;
in dem Himmel allezeit Friede, Freud und Seligkeit.

Impressum

©opyleft Monday 16. Dec 2002, 12:00, by Daniel Schönenberger <dsbg@laudate.ch>
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