Mendelssohns Te Deum
Mendelssohn war erst 17 Jahre alt, als er im Dezember 1826 sein Te Deum für achtstimmigen gemischten Chor, Soli und Continuo
fertigstellte. Als Jugendwerk kann man dieses allerdings wohl kaum bezeichnen, schuf er doch im selben Lebensjahr mit dem
Oktett für Streicher und der Ouvertüre zum Sommernachtstraum unbestrittene Meisterwerke von kompositorischer Reife. Er war Wunderkind als
Pianist, Dirigent und Komponist, als letzterer in diesem Alter in seiner musikalischen Entwicklung auch Mozart voraus.
Seit seinem zehnten Altersjahr wirkte er als Sänger und Dirigent in der Berliner Singakademie, welche von Goethes Freund,
dem Komponisten Carl Friedrich Zelter geleitet wurde. Dort machte er sich eingehend vertraut mit den Chorwerken von Gabrieli,
Schütz, Händel und Johann Sebastian Bach, dessen Matthäus-Passion er nach langer Vernachlässigung durch die Nachwelt wieder
zur Aufführung brachte. Bei Zelter genoss der von seinen Eltern vorbehaltlos geförderte Junge auch von Kindsbeinen an Kompositionsunterricht.
Mendelssohns Vater, Sohn eines jüdischen Philosophen, konvertierte zur protestantischen Kirche und liess Felix mit sieben Jahren taufen
und im christlichen Glauben erziehen.
Das Te Deum schrieb Mendelssohn für die Singakademie, welche das Werk in privatem Rahmen mehrmals aufführte. Eine konzertmässige
Aufführung zu Mendelssohns Lebzeiten ist nicht überliefert. Obwohl er dem Werk keine Opuszahl zuwies und sich auch nicht um eine
Drucklegung bemühte, scheint es ihm am Herzen gelegen zu haben. So leitete er an seinem zwanzigsten Geburtstag eine Aufführung in
der Singakademie, die er am Flügel begleitete. Man nimmt an, dass der Chor über hundert Sängerinnen und Sänger umfasste. Die Soli
übernahmen kleine Gruppen aus jeder Stimme.
Das Te Deum ist ein altkirchlicher lateinischer Hymnus, der vermutlich aus dem 4. Jahrhundert stammt. Im ersten Teil preist der
gesamte Kosmos den dreieinigen Gott. Im Mittelteil wird Christus besungen, der den Gläubigen den Himmel öffnet, des Todes Stachel
besiegt und am Jüngsten Gericht richtet. Der dritte Teil enthält die Fürbitte. Das Te Deum wurde anfangs hauptsächlich als Abendmahlsliturgie
in der gallischen und spanischen Kirche verwendet, bis ins 16. Jahrhundert unterlegt von einer gregorianischen Melodie. Bedeutung
erlangte das Te Deum aber über die Jahrhunderte hin vor allem durch seine Aufführung ausserhalb des Gottesdienstes bei politischen
Feiern, Jubiläen und Festen der Herrscherfamilien, so z. B. bei der Krönung Karl des Grossen im Jahr 800. Offenbar wurde sein Wortlaut
damals als triumphal empfunden. Im 17. Jahrhundert entstanden die ersten Vertonungen durch u. a. Prätorius, Schütz, Charpentier,
Purcell (zu einem englischen Text). Auch Mendelssohn komponierte 1832 ein englisches Te Deum für vierstimmigen Chor und Orgel.
Für das achtstimmige Te Deum verwendet Mendelssohn den lateinischen Text, teilt diesen in zwölf kurze Sätze, lässt aber die meisten
Verse des Mittelteils weg. Dafür wiederholt er im Schlussatz das "Te Deum laudamus" und ein musikalisches Motiv des Eingangs. Musikalisch
atmet das Werk barocke Polyphonie, durchsetzt von in die Romantik weisenden harmonischen Wendungen.
Das Werk erschien 1975 erstmals im Druck, und zwar in der DDR, da die Kinder Mendelssohns seinen kompositorischen Nachlass dem Staat
Preussen mit der Auflage einen Stipendienfonds für Musiker zu errichten verkauft hatten. Es ist heute schwer fassbar, wieso dies erst
anderthalb Jahrhunderte nach der Fertigstellung des Werkes erfolgte.
Mendelssohns Musik, die klassische Formen verwendet und sich an starken Vorbildern orientiert, zu seinen Lebzeiten viel gespielt,
gesungen und gefeiert, wurde nach seinem Tod von einem Teil der Musikwelt als "klassizistisch" und "nachahmerisch" kritisiert. 1850
nahm diese Kritik auch antisemitische Züge an, mit einem von Richard Wagner unter Pseudonym veröffentlichten Artikel. Die Polemik kulminierte
in der Ächtung seiner Werke im nationalsozialistischen Deutschland.
In dieser Aufführung werden die Soli von je zwei Sängerinnen bzw. Sängern aus dem Chor gesungen. Der Continuopart wird von einem Trio
aus Orgelpositiv, Violoncello und Kontrabass übernommen.
Text des Te Deum
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