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Portrait Mendelssohn-Bartholdi

Sofia Gubaidulina, Franz von Assisi und der Sonnengesang

Sofia Gubaidulina wurde 1931 in der damaligen tatarischen Sowjetrepublik geboren, wo sie am Konservatorium in Kasan Klavier und Komposition studierte. 1954 setzte sie ihre Studien in Moskau fort. Seit Anfang der sechziger Jahre arbeitete sie als unabhängige Komponistin und lebte vor allem von Aufträgen für Film und Theater. 1975 gründete sie mit zwei Kollegen die Gruppe "Astreja", welche auf improvisatorischer Basis mit russischen, mittel- und ostasiatischen Volks- und Ritualinstrumenten experimentierte. Gubaidulina begann deren ungewöhnliche Klangfarben in ihre Kompositionen einzubauen. Die meisten ihrer Werke nehmen Bezug auf literarische oder religiöse Texte oder Symbole.

Weil ihre Kompositionen die 1948 erlassenen Richtlinien des sowjetischen Komponistenverbandes verletzten, war die Aufführung einiger ihrer Werke im eigenen Land verboten. Auch durfte sie während Jahren nicht reisen. Dimitri Schostakowitsch bekräftigte sie, ihren eigenen musikalischen Weg unbeirrt weiter zu verfolgen. Durch emigrierte russische Interpreten, insbesondere Mstislav Rostropowitsch, wurden ihre Werke seit 1980 im Westen aufgeführt und bekannt. Heute zählt sie zu den führenden Vertretern der Neuen Musik der früheren Sowjetunion und zu den am häufigsten aufgeführten zeitgenössischen Tonschöpfern. Seit 1991 wohnt sie in Deutschland.

Franz von Assisi wurde 1181 als Sohn einer reichen italienischen Familie geboren. Nach Teilnahme an einem lokalen Krieg und anschliessender Gefangenschaft zerstritt er sich mit seiner Familie und begründete nach 1208 als Wanderprediger einen christlichen Orden, dessen Regeln vom Papst bestätigt und der von diesem unter den Schutz eines Kardinals gestellt wurde. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde Franziskus 1228 heilig gesprochen. Er war eigentlich ein früher Reformator, der eine Rückkehr zu einem Leben ohne materiellen Reichtum und eine auch dem Laien verständliche christliche Lehre predigte.

Den Sonnengesang verfasste Franziskus Ende 1224/Anfang 1225 als er bereits schwer krank war. Es handelt sich um ein Gebet, welches die Schönheit der Schöpfung preist: von Sonne, Mond und Sternen, über Luft und Wetter, Wasser und Feuer bis zu Mutter Erde, und schliesslich den Tod. Er betrachtet die Welt nicht romantisch-pantheistisch, sondern dankt Gott für das Geschaffene. Im Gegensatz zu den in der Kirche obligatorischen lateinischen Texten, dichtete Franz von Assisi in der altitalienischen Umgangssprache. Sein Sonnengesang wird daher manchmal auch als Beginn der italienischen Literatur, als Vorläufer von Dantes Divina Commedia betrachtet.

Sofia Gubaidulina vertonte den Text 1997 zum 70. Geburtstag des sowjetischen Cellisten Mstislav Rostropowitsch. Die unorthodoxe Besetzung mit gemischtem Chor, Cello und Schlaginstrumenten ungewöhnliche Klangwirkungen. Dennoch strahlt das Werk Ruhe und Ernsthaftigkeit aus.

Die Aufführung im Grossmünster Zürich ist unseres Wissens die erste durch einen Schweizer Chor.

Text des Sonnengesangs

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