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Zoltán Kodály und seine Missa brevis
Gegensätze: Mendelssohn wuchs Anfang des 19. Jahrhunderts in einer
begüterten Banquiersfamilie in der politischen und kulturellen Metropole
Berlin auf, Kodály, 1882 geboren, im ländlichen Ungarn. Dorf-,
Schul- und vor allem Hausmusik prägten seine Kindheit. Sein Vater,
Stationsvorstand bei den Eisenbahnen, war ein begeisterter Violinist,
seine Mutter sang und spielte Klavier. Zoltán erlernte das Klavier-,
Geigen- und Cellospiel vornehmlich als Autodidakt. Er begann bereits in
seiner Mittelschulzeit zu komponieren. Anschliessend absolvierte er in
Budapest gleichzeitig eine Ausbildung als Lehrer für ungarische und
deutsche Sprache, während er an der Musikakademie Kompositionslehre
studierte. Dies, als die Spätromantik ihrem Ende entgegen ging und
in der Musik neue Wege und Formen gesucht wurden.
Kodály gehörte zu jenen Komponisten, welche die Erneuerung
in der Volksmusik suchten. 1905 begann er in den Dörfern Ungarns
Volkslieder und Tänze aufzunehmen und zu analysieren. Vorerst geschah
dies unabhängig von seinem ungarischen Kollegen Béla Bartók,
später gaben sie gemeinsam Sammlungen von tausenden von Stücken
heraus. Melodien, Rhythmik (geprägt von der ungarischen Sprache)
und Harmonik (Pentatonik) fanden Eingang in Kodálys Werke. Daneben
übte Debussy grossen Einfluss auf ihn aus, dessen Musik er bei einem
Studienaufenthalt in Paris kennen lernte. Seine zahlreichen Kompositionen
wurden zu Lebzeiten in den Konzertsälen der Welt mit Erfolg aufgeführt.
Von 1912 bis 1942 war Kodály Professor für Musiktheorie und
Komposition an der Budapester Hochschule für Musik. Aber er war nicht
nur Volksmusikforscher, Theoretiker und Komponist. Einzigartig war sein
Wirken als Musikpädagoge für Kinder und Jugendliche. Seine Methoden
hielten nach dem zweiten Weltkrieg in Ungarns Kindergärten und Schulen
Einzug und werden heute auch in andern europäischen Ländern,
Nordamerika und Japan angewendet. Kodály wollte die Musik nicht
einer Elite vorbehalten. Die Gesangsstimme sollte der Ausgangspunkt für
die musikalische Erziehung und Entwicklung in reiner (nicht temperierter)
Stimmung sein. Er verfeinerte die aus dem Mittelalter stammende Technik
des «Solfeggio» und komponierte mehrere Bände von zwei-
und dreistimmigen Liedern für die Schule.
Die schnellen Sätze von Mendelssohns Te Deum sprühen von Jugend
und Festfreude. Dagegen trägt die 1944 komponierte Missa brevis des
62jährigen Kodály den Untertitel «tempore belli»
(in Kriegszeiten). Ungarn hatte an der Seite Deutschlands am Russlandfeldzug
teilgenommen.
Als sich dessen Scheitern abzeichnete, befürchteten die Deutschen
eine frühzeitige Kapitulation Ungarns und besetzten das Land im März
1944. Es kam daher zur Belagerung und Bombardierung Budapests durch russische
Truppen. Kodály und seine Frau verbrachten die letzten Monate in
Luftschutzkellern eines Klosters und des Opernhauses. Dort überarbeitete
er die ursprünglich für Orgel solo geschriebene Messe in eine
Fassung für gemischten Chor und Orgel, und eine solche für Chor
und Orchester. Letztere wurde Anfang 1945, kurz nach Ende der Feindseligkeiten,
in einem Garderobenraum des Opernhauses uraufgeführt.
Die Missa brevis wird vom Laudate Chor Zürich in der Fassung mit
Orgel gesungen. Das Werk ist ein Beispiel für die Kraft der Musik
in den finstersten Zeiten der Menschheit.
Text des Te Deum
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